Wird ein Kind auf Mallorca krank, steckt fast immer ein harmloser Virusinfekt dahinter, der von selbst ausheilt — entscheidend ist nicht die Höhe des Fiebers, sondern wie das Kind wirkt, ob es trinkt und ob Warnzeichen wie Nackensteife, Atemnot, nicht wegdrückbare Hautflecken oder Fieber bei einem Säugling unter sechs Monaten vorliegen, die sofort in die Klinik gehören. Ich komme dafür in den Südwesten Mallorcas — Santa Ponsa, Paguera, Palmanova, Port d'Andratx — direkt ins Hotel oder die Finca und sehe mir Ihr Kind dort an, statt es krank durch die Hitze fahren zu lassen. Zu Kindern ab einem Jahr komme ich wie zu jedem anderen Patienten; bei Säuglingen unter einem Jahr klären wir vorab am Telefon. Dieser Ratgeber erklärt, was im Urlaub normal ist, was nicht, und woran Sie die Grenze erkennen.
Fieber beim Kind im Urlaub: was normal ist, was nicht
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine sinnvolle Abwehrreaktion. Der Körper stellt seine Temperatur hoch, weil Viren und Bakterien sich bei Wärme schlechter vermehren. Fieber zu senken beschleunigt die Heilung deshalb nicht — es macht das Kind nur wieder trinkfähiger und ruhiger, und genau dafür ist es da.
Ab 38,0 °C spricht man von Fieber, ab 39,0 °C von hohem Fieber. Diese Zahlen sind aber die unwichtigere Hälfte der Beurteilung. Wie Ihr Kind wirkt, sagt mehr als das Thermometer. Ein Kind mit 39,5 °C, das nach dem Fiebersaft wieder trinkt, aufsteht und spielt, beunruhigt mich weniger als ein Kind mit 38,3 °C, das teilnahmslos daliegt, nicht trinken will und auf Ansprache kaum reagiert.
Im Urlaub kommt einiges zusammen, das Fieber wahrscheinlicher macht: neue Erreger in Flieger, Hotel und Kinderclub, Klimaanlage, kurze Nächte, viel Sonne und ein anderer Tagesrhythmus. Die meisten dieser Infekte sind harmlos und nach drei bis fünf Tagen vorbei.
Zwei Dinge gehören bei jedem fiebernden Kind dazu: ausreichend trinken — bei Hitze mehr als zu Hause — und leichte Kleidung statt dicker Decken. Ein gewichtsangepasstes Fiebermittel geben Sie, wenn Ihr Kind sich sichtlich quält, nicht allein wegen einer Zahl auf dem Thermometer. Halten Sie sich an die Dosierung auf der Packung oder fragen Sie nach.
Nicht mehr normal ist Fieber, das länger als drei Tage anhält, das nach zwischenzeitlicher Besserung wiederkehrt, das mit Nackensteife, Hautausschlag, Atemnot oder Bewusstseinstrübung einhergeht — oder Fieber bei einem Säugling unter sechs Monaten. Dazu weiter unten mehr.
Virusinfekt oder bakterieller Infekt: warum ein Antibiotikum nicht immer hilft
Die große Mehrheit der fieberhaften Infekte im Kindesalter wird von Viren ausgelöst — und gegen Viren wirkt kein Antibiotikum. Das ist keine Sparsamkeit, sondern Biologie: Antibiotika greifen an Strukturen an, die Bakterien haben und Viren nicht.
Viele Eltern erwarten im Urlaub ein Antibiotikum, weil die Zeit drängt und man nicht drei Tage des Urlaubs verlieren will. Das verstehe ich gut. Nur beschleunigt ein Antibiotikum bei einem Virusinfekt gar nichts. Es kann Durchfall und Hautausschlag auslösen, verändert die Darmflora Ihres Kindes für Wochen und trägt zur Resistenzbildung bei.
Sicher unterscheiden lassen sich beide nicht am Telefon und auch nicht an einer einzelnen Zahl. Hinweise, die eher für eine bakterielle Infektion sprechen, sind ein einseitiger, klar umschriebener Befund — etwa eine deutlich gerötete Mandel mit Belag, ein auffälliger Trommelfellbefund oder eine umschriebene Hautinfektion —, ein zweigipfliger Verlauf mit erneutem Fieberanstieg nach Besserung und ein Kind, dessen Zustand sich trotz Fiebersenkung nicht bessert.
Deshalb untersuche ich vor Ort, bevor ich etwas verordne. Ich sehe Rachen, Ohren und Haut an, höre Lunge und Herz ab, prüfe den Allgemeinzustand und schaue mir den Verlauf der letzten Tage an. Wenn die Untersuchung für eine bakterielle Infektion spricht, stelle ich ein Privatrezept aus und Sie holen das Präparat in der nächsten Farmacia. Wenn nicht, sage ich Ihnen das ebenso deutlich — und erkläre, worauf Sie in den nächsten 24 Stunden achten.
Ohrenschmerzen nach dem Baden
Ohrenschmerzen sind im Badeurlaub die häufigste Einzelbeschwerde bei Kindern. Dahinter steckt entweder eine Entzündung der Gehörgangshaut, ausgelöst durch Wasser, Wärme und Reibung, oder eine Mittelohrentzündung im Rahmen eines Infekts. Bei Kindern ist die Mittelohrentzündung häufiger als bei Erwachsenen, weil ihre Ohrtrompete kürzer und flacher verläuft.
Kleine Kinder sagen selten „mein Ohr tut weh". Achten Sie auf Greifen oder Reiben am Ohr, verstärktes Weinen im Liegen, Trinkunlust und auffällige Unruhe in der Nacht. Erste Maßnahmen sind ein gewichtsangepasstes Schmerzmittel, erhöhtes Schlafen und das Ohr trocken halten — nichts in den Gehörgang einführen, keine Wattestäbchen.
Welche der beiden Formen vorliegt, entscheidet der Blick ins Ohr. Wie das abläuft, was sofort hilft und wann es dringend wird, steht ausführlich im Ratgeber zu Ohrenschmerzen.
Magen-Darm beim Kind: Flüssigkeit und Warnzeichen
Bei Erbrechen und Durchfall im Kindesalter geht es fast ausschließlich um eines: Flüssigkeit. Kinder trocknen deutlich schneller aus als Erwachsene, weil ihr Körper anteilig mehr Wasser enthält und weniger Reserve hat. Bei 30 °C im Schatten geht das noch einmal schneller.
Wichtiger als die Menge auf einmal ist die Häufigkeit: lieber alle fünf bis zehn Minuten ein bis zwei Teelöffel als ein großes Glas, das sofort wieder erbrochen wird. Ein erbrechender Magen nimmt kleine Portionen an, große nicht.
Zeichen von Flüssigkeitsmangel, bei denen Ihr Kind ärztlich angesehen werden muss: trockene Lippen und trockene Mundschleimhaut, deutlich weniger nasse Windeln oder selteneres Wasserlassen, fehlende Tränen beim Weinen, eingesunkene Augen, bei Säuglingen eine eingesunkene Fontanelle, dazu Teilnahmslosigkeit und auffällige Schläfrigkeit. Bei einem Säugling gilt das sofort.
Ebenfalls angesehen gehören Blut im Stuhl, anhaltend grünlich-galliges Erbrechen, starke oder einseitige Bauchschmerzen und Erbrechen, das über mehr als 24 Stunden jede Flüssigkeitsaufnahme verhindert. Mehr zu Ursachen und Verlauf steht im Ratgeber zu Magen-Darm.
Insektenstiche beim Kind
Bei Kindern fallen Insektenstiche oft dramatischer aus als bei Erwachsenen: Die örtliche Schwellung wird größer, juckt stärker und hält länger an. Eine große, warme, gerötete Schwellung rund um die Einstichstelle ist für sich genommen noch keine Allergie, sondern meist eine kräftige örtliche Reaktion.
Sofort hilft Kühlen. Der eigentliche Ärger entsteht durch das Kratzen: Aufgekratzte Stiche entzünden sich, gerade wenn Sand, Salzwasser und Sonnencreme dazukommen. Kurze Fingernägel und ein juckreizstillendes Gel helfen mehr, als man denkt.
Sofort 112 bei Atemnot, Schwellung im Mund- oder Rachenraum, Quaddeln am ganzen Körper, Kreislaufschwäche oder Stich im Mund. Das sind Zeichen einer allergischen Sofortreaktion und kein Fall für einen Hausbesuch. Behandlung, Allergiezeichen und Quallenkontakt stehen ausführlich im Ratgeber zu Insektenstichen.
Wann sofort 112 oder Notaufnahme
Bei diesen Zeichen rufen Sie bitte nicht mich, sondern sofort den europäischen Notruf 112 oder fahren in die nächste Notaufnahme. Dort ist Ihr Kind schneller und besser versorgt als bei einem Hausbesuch.
112 anrufenIm Zweifel gilt: lieber einmal zu früh den Rettungsdienst rufen als einmal zu spät. Diese Entscheidung nimmt Ihnen niemand übel — mir am wenigsten.
Wann sollten Sie einen Arzt rufen?
Bei einem Säugling unter 6 Monaten mit Fieber, Nackensteife, nicht wegdrückbaren Hautflecken, Atemnot, Bewusstseinstrübung oder einem Krampfanfall: wählen Sie sofort den europäischen Notruf 112.
Rufen Sie einen Arzt, wenn eines dieser Zeichen auf Sie zutrifft:
- Säugling unter 6 Monaten mit Fieber ab 38 °C — immer sofort
- Nackensteife oder starke Kopfschmerzen
- Hautflecken, die sich mit einem Glas nicht wegdrücken lassen
- Atemnot, schnelle Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen
- Bewusstseinstrübung, auffällige Schläfrigkeit, nicht richtig erweckbar
- Krampfanfall
- Trinkverweigerung über Stunden, deutlich weniger nasse Windeln
- Fieber, das über drei Tage anhält oder nach Entfieberung wiederkehrt
Hausbesuch sinnvoll bei: Fieber, Erbrechen oder Ohrenschmerzen beim Kind — vor Ort untersuche ich Ihr Kind in Ruhe und sage Ihnen, ob abwarten reicht oder es in die Klinik muss.
Was ich beim Hausbesuch mache
Ich untersuche Ihr Kind dort, wo es ist. Ein fieberndes Kind muss nicht bei 30 °C durch die Gegend gefahren werden, und in der vertrauten Umgebung lässt es sich meist deutlich besser untersuchen als in fremden Räumen.
Der Hausbesuch kostet pauschal 250–450 € je nach Tageszeit — Sie zahlen vor Ort und bekommen eine Privatrechnung. Auf Ihre Anfrage rufe ich Sie persönlich zurück, es gibt keine Zentrale und kein Callcenter.
Ehrlich gesagt: was ich nicht bin
Akute Urlaubsbeschwerden bei Kindern, also fieberhafte Infekte, Magen-Darm, Ohrenschmerzen und Insektenstiche, sehe ich mir vor Ort an und behandle sie.
Zu Kindern ab einem Jahr komme ich wie zu jedem anderen Patienten. Bei Säuglingen unter einem Jahr bespreche ich vorab am Telefon, was passiert ist — je nach Beschwerdebild komme ich vorbei oder sage Ihnen, dass der Kinderarzt oder die Klinik hier der schnellere und bessere Weg ist.
Ich bin deutscher Arzt, aber kein Kinderarzt. In die Klinik oder zum Kinderarzt gehören: Säuglinge unter sechs Monaten mit Fieber, chronische oder wiederkehrende Beschwerden, alles mit Labor-, Bildgebungs- oder Überwachungsbedarf, und jeder Notfall aus dem roten Kasten.
Sehr empathischer Arzt, der sich viel Zeit genommen und uns alles gut erklärt hat. […] Besonders positiv empfanden wir seinen Wunsch, mit unserer Hausärztin in Deutschland zu korrespondieren, um das weitere Vorgehen gemeinsam mit ihr abzustimmen. Klare Weiterempfehlung!
Häufige Fragen
Ab welcher Temperatur hat mein Kind Fieber?
Muss mein Kind bei Fieber ein Antibiotikum bekommen?
Wie viel muss mein Kind bei Magen-Darm trinken?
Woran erkenne ich, dass mein Kind zu wenig Flüssigkeit hat?
Kommt ein Arzt bei einem kranken Kind ins Hotel?
Wann muss ich mit meinem Kind sofort in die Klinik?
Quellen & Leitlinien
- AWMF Leitlinienregister — Fieber bei Kindern (Leitlinie DEGAM) (AWMF)
- NHS — Fever in children (NHS)
- RKI — Ratgeber Infektionskrankheiten (Robert Koch-Institut)
Zuletzt geprüft am 24.08.2026 durch Henrik Venus, approbierter Arzt.
