Ratgeber vom Arzt

Ohrenschmerzen im Mallorca-Urlaub

Badeotitis, verstopftes Ohr und was sofort hilft

6 Min. Lesezeit Henrik VenusHenrik Venus, Arzt Aktualisiert: August 2026

Ohrenschmerzen im Urlaub sind meist eine Gehörgangsentzündung — eine Entzündung der Haut im äußeren Gehörgang, die durch Wasser, Wärme und Reibung entsteht und deshalb im Badeurlaub so häufig ist. Ich komme dafür in den Südwesten Mallorcas — Paguera, Port d'Andratx, Calvià — direkt ins Hotel oder die Finca. Nach dem Schwimmen in Pool oder Meer häufen sich die Fälle deutlich: Feuchtigkeit im Gehörgang, über 30 °C Außentemperatur und häufiges Untertauchen sind genau die Bedingungen, unter denen die schützende Fettschicht der Gehörgangshaut aufweicht. Hält der Druck im Ohr an, lohnt auch ein Blick auf Flüssigkeitsmangel bei Hitze — beides schwächt im Urlaub gleichzeitig.

Ohrenschmerzen nach dem Schwimmen: Badeotitis erkennen

Wenn das Ohr ein bis zwei Tage nach dem Schwimmen zu schmerzen beginnt und der Schmerz beim Ziehen an der Ohrmuschel deutlich zunimmt, ist es fast immer eine Badeotitis — eine Gehörgangsentzündung, medizinisch Otitis externa. Sie ist die mit Abstand häufigste Ursache für Ohrenschmerzen im Badeurlaub.

Warum gerade hier: Wasser weicht die schützende Fettschicht im Gehörgang auf, Salz- und Chlorwasser reizen die Haut zusätzlich, und die Wärme begünstigt das Wachstum von Bakterien. Dazu kommt mechanische Reizung durch Ohrstöpsel, In-Ear-Kopfhörer oder den Finger im juckenden Ohr.

  • Zugschmerz: Ziehen an der Ohrmuschel oder Druck auf den Tragus (der kleine Knorpel vor dem Gehörgang) tut deutlich weh — das typischste Zeichen.
  • Juckreiz vor dem Schmerz: oft beginnt es ein bis zwei Tage vorher mit Jucken im Gehörgang.
  • Druck- und Völlegefühl im Ohr, Hören wie durch Watte.
  • Ausfluss: wässrig, gelblich oder übelriechend.
  • Meist einseitig und meist ohne hohes Fieber.

Ohr verstopft: Wasser, Ohrenschmalz oder Erkältung?

Ein verstopftes Ohr hat im Urlaub fast immer eine von drei Ursachen — Wasser im Gehörgang, einen Ohrenschmalzpfropf oder ein Druckausgleichsproblem bei Erkältung. Welche davon es ist, entscheidet, was Sie selbst tun dürfen.

Wasser im Ohr: tritt direkt nach dem Baden auf, es gluckert bei Kopfbewegung, und es tut nicht weh. Neigen Sie den Kopf zur Seite, ziehen Sie sanft am Ohrläppchen und legen Sie sich kurz auf das betroffene Ohr. Die Ohrmuschel außen mit dem Handtuchzipfel trocknen — nicht im Gehörgang wischen. Ein Föhn auf niedrigster Stufe mit etwa 30 cm Abstand hilft ebenfalls.

Ohrenschmalzpfropf: entwickelt sich allmählich und wird nach Wasserkontakt oft schlagartig schlimmer, weil der Pfropf aufquillt. Typisch sind dumpfes Hören und Druck ohne starke Schmerzen. Aufweichende Ohrentropfen aus der Apotheke sind der richtige erste Schritt; entfernt wird der Pfropf danach mit einer Spülung durch den Arzt.

Erkältung und Druckausgleich: vorher Schnupfen, Druck beim Schlucken oder Gähnen, häufig beidseits, oft nach einem Flug. Abschwellende Nasentropfen für wenige Tage und vorsichtiges Druckausgleichen helfen meist.

Zwei Dinge bitte nie: keine Wattestäbchen — sie schieben den Pfropf tiefer und verletzen die Gehörgangshaut, was die Entzündung erst ermöglicht. Und keine Ohrenkerzen: Ein Nutzen ist nicht belegt, Verbrennungen und Trommelfellverletzungen sind beschrieben.

Gehörgangsentzündung oder Mittelohrentzündung? Der Unterschied

Der entscheidende Test ist der Zug am Ohr: Tut das Ziehen an der Ohrmuschel oder der Druck auf den Tragus weh, sitzt das Problem außen im Gehörgang. Bleibt der Schmerz dabei unverändert und sitzt tief im Ohr, spricht das für das Mittelohr.

Gehörgangsentzündung (außen): Zug- und Druckschmerz, vorheriger Juckreiz, Ausfluss, geschwollener Gehörgang, meist nach Wasserkontakt, meist einseitig, selten hohes Fieber.

Mittelohrentzündung (innen): Schmerz tief im Ohr, oft pulsierend, meist im Anschluss an eine Erkältung, häufig mit Fieber, deutlich häufiger bei Kindern — und kein Zugschmerz an der Ohrmuschel. Lässt der starke Schmerz plötzlich nach und es läuft Flüssigkeit aus dem Ohr, kann das Trommelfell gerissen sein. Das ist kein Notfall, gehört aber zeitnah angesehen.

Nicht abwarten, sondern in die Klinik: Schwellung, Rötung und Druckschmerz hinter dem Ohr, eine abstehende Ohrmuschel, hohes Fieber und schweres Krankheitsgefühl können auf eine Mastoiditis hindeuten — eine Entzündung des Knochens hinter dem Ohr. Ebenfalls dringend: ein plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr, auch ohne Schmerzen. Das ist ein HNO-Notfall und sollte am selben Tag abgeklärt werden.

Wenn Sie unsicher sind: ansehen lassen. Eine Otoskopie dauert zwei Minuten und beantwortet die Frage außen oder innen sofort.

Was hilft sofort gegen Ohrenschmerzen?

Am schnellsten wirkt ein Schmerzmittel — Ibuprofen oder Paracetamol in der für Sie üblichen Dosierung. Ohrenschmerzen sprechen darauf in der Regel gut an, und Sie gewinnen die Zeit, in Ruhe klären zu lassen, was dahintersteckt.

  • Ohr trocken halten: vorerst nicht schwimmen, nicht tauchen. Beim Duschen einen mit Vaseline bestrichenen Wattebausch locker in die Ohrmuschel legen (nicht in den Gehörgang stopfen).
  • Wärme oder Kühle — nehmen Sie, was Ihnen angenehmer ist. Beides ist erlaubt, keines der beiden verschlechtert etwas.
  • Nachts den Kopf hoch lagern: mit erhöhtem Oberkörper schlafen entlastet den Druck im Ohr.
  • Nichts ins Ohr einführen — keine Wattestäbchen, keine Finger, keine Ohrenkerzen.

Was ich beim Hausbesuch machen kann

Der wichtigste Schritt ist der Blick ins Ohr. Mit dem Otoskop sehe ich Gehörgang und Trommelfell direkt an — das klärt in wenigen Minuten, ob die Entzündung außen oder im Mittelohr sitzt, ob das Trommelfell intakt ist und ob ein Ohrenschmalzpfropf das Problem ist.

  • Otoskopie von Gehörgang und Trommelfell — die Untersuchung, die die Diagnose entscheidet.
  • Vorsichtige Ohrspülung bei einem Ohrenschmalzpfropf, sofern das Trommelfell intakt ist.
  • Ohrentropfen auf Privatrezept: Die wirksamen antibiotisch-entzündungshemmenden Tropfen sind in Spanien verschreibungspflichtig. Ich stelle das Rezept direkt vor Ort aus, Sie holen es in der nächsten Farmacia.
  • Schmerztherapie und bei einer Mittelohrentzündung die Entscheidung, ob ein Antibiotikum nötig ist oder abgewartet werden kann.

Der Hausbesuch kostet pauschal 250–450 € je nach Tageszeit — Sie zahlen vor Ort und bekommen eine Privatrechnung für Ihre Reisekrankenversicherung. Auf Ihre Anfrage rufe ich Sie persönlich zurück, es gibt keine Zentrale und kein Callcenter.

Ehrlich gesagt: wann Sie einen HNO brauchen

Ich bin approbierter Arzt (Deutschland 2021) — kein HNO-Facharzt. Die häufigen Ohrenbeschwerden im Urlaub, also Badeotitis, Ohrenschmalzpfropf, unkomplizierte Mittelohrentzündung und Schmerztherapie, behandle ich vor Ort in Ihrer Unterkunft.

Zum HNO oder in die Klinik schicke ich Sie bei: Verdacht auf eine Trommelfellverletzung, Verdacht auf Mastoiditis, plötzlichem Hörverlust, Drehschwindel mit Hörminderung, chronischen oder immer wiederkehrenden Beschwerden und immer dann, wenn eine Ohrmikroskopie oder ein Absaugen unter Sicht nötig ist. Das sage ich Ihnen direkt beim Besuch — und nicht erst, wenn zwei Tage verloren sind.

Ohrenschmerzen beim Kind

Bei Kindern steckt hinter Ohrenschmerzen häufiger eine Mittelohrentzündung als bei Erwachsenen, weil ihre Ohrtrompete kürzer und flacher verläuft und Keime aus dem Nasenrachen leichter ins Mittelohr gelangen.

Kleine Kinder sagen selten „mein Ohr tut weh". Achten Sie auf: Greifen oder Reiben am Ohr, verstärktes Weinen im Liegen, Trinkunlust, Fieber, auffällige Unruhe in der Nacht und ein plötzlich verändertes Hörverhalten.

Erste Maßnahmen: ein gewichtsangepasstes Schmerzmittel, Oberkörper beim Schlafen erhöht lagern, ausreichend trinken lassen. Bei einem Kind unter zwei Jahren mit Ohrenschmerzen und Fieber lassen Sie früher ansehen als bei einem älteren Kind.

Sofort 112 oder Klinik bei: schwerem Krankheitsgefühl, Nackensteife, Schwellung oder Rötung hinter dem Ohr, Krampfanfall oder einem Kind, das nicht richtig erweckbar ist. Ich bin Arzt für akute Urlaubsbeschwerden, auch bei Kindern — aber kein Kinderarzt und kein Ersatz für Kinderarzt, Notaufnahme oder 112.

Vorbeugen: Ohren und Wasser

Die wirksamste Vorbeugung ist banal: Ohren nach jedem Baden trocken bekommen — und nichts hineinstecken.

  • Nach jedem Baden: Kopf zur Seite neigen, sanft am Ohrläppchen ziehen, damit das Wasser abläuft, danach die Ohrmuschel außen abtupfen.
  • Föhn auf niedrigster Stufe, etwa 30 cm Abstand, wenige Sekunden je Ohr.
  • Keine Wattestäbchen — sie sind die häufigste vermeidbare Ursache einer Gehörgangsentzündung.
  • Ohrstöpsel oder Badekappe bei Neigung zu Badeotitis, aber sauber und trocken halten.
  • Nach dem Pool kurz duschen, um Chlorreste aus dem Gehörgang zu spülen.
  • Bei wiederkehrender Badeotitis: Es gibt Trockentropfen zur Prophylaxe. Die sind nur bei intaktem Trommelfell geeignet — bitte vorher ärztlich abklären, nicht auf Verdacht anwenden.

Häufige Fragen

Was hilft sofort gegen Ohrenschmerzen?
Am schnellsten wirkt ein Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol in der für Sie üblichen Dosierung. Halten Sie das Ohr trocken, schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper und führen Sie nichts in den Gehörgang ein — keine Wattestäbchen, keine Ohrenkerzen. Wärme oder Kühle dürfen Sie nach Gefühl anwenden. Bessern sich die Schmerzen nicht oder kommt Fieber dazu, lassen Sie das Ohr ansehen.
Wie lange dauert eine Gehörgangsentzündung?
Mit passenden Ohrentropfen bessern sich die Schmerzen meist innerhalb von zwei bis drei Tagen deutlich, die Entzündung heilt in der Regel in sieben bis zehn Tagen ab. Ohne Behandlung kann sie sich hinziehen und schmerzhafter werden. Wichtig ist, das Ohr in dieser Zeit trocken zu halten und nicht zu schwimmen.
Darf ich mit Gehörgangsentzündung schwimmen?
Nein — solange die Entzündung aktiv ist, sollten Sie nicht schwimmen und nicht tauchen. Jeder erneute Wasserkontakt weicht die Gehörgangshaut weiter auf und verlängert die Heilung. Beim Duschen hilft ein locker in die Ohrmuschel gelegter, mit Vaseline bestrichener Wattebausch. Wieder ins Wasser können Sie, wenn Schmerz, Juckreiz und Ausfluss vollständig abgeklungen sind.
Woher kommt Badeotitis?
Badeotitis ist eine Entzündung der Haut im äußeren Gehörgang. Wasser weicht die schützende Fettschicht auf, Salz- und Chlorwasser reizen zusätzlich, und die Wärme begünstigt das Wachstum von Bakterien. Mechanische Reizung durch Wattestäbchen, In-Ear-Kopfhörer oder Kratzen im juckenden Ohr öffnet den Keimen den Weg. Genau diese Kombination gibt es im Badeurlaub jeden Tag — deshalb sehe ich die Erkrankung auf Mallorca im Sommer deutlich häufiger als im Winter.
Ohr verstopft nach dem Schwimmen — was tun?
Neigen Sie den Kopf zur Seite, ziehen Sie sanft am Ohrläppchen und legen Sie sich kurz auf das betroffene Ohr, damit das Wasser abläuft. Danach die Ohrmuschel außen abtupfen und bei Bedarf mit dem Föhn auf niedrigster Stufe aus etwa 30 cm Abstand nachtrocknen. Nicht mit Wattestäbchen arbeiten. Bleibt das Ohr verstopft und hören Sie dumpf, steckt meist ein aufgequollener Ohrenschmalzpfropf dahinter — der gehört ausgespült, nicht herausgestochert.
Wann muss ich mit Ohrenschmerzen zum Arzt?
Bei starken Schmerzen mit Fieber, Ausfluss aus dem Ohr, deutlicher Hörminderung, keiner Besserung nach 48 Stunden sowie bei Kindern unter zwei Jahren. Sofort in die Klinik gehören Schwellung, Rötung und Druckschmerz hinter dem Ohr mit abstehender Ohrmuschel (Verdacht auf Mastoiditis) und ein plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr. Bei schwerem Krankheitsgefühl, Nackensteife oder Bewusstseinsstörung wählen Sie sofort den europäischen Notruf 112.

Quellen & Leitlinien

Zuletzt geprüft am 06.08.2026 durch Henrik Venus, approbierter Arzt.

🩺 Behandlungsoption vor Ort Ohrenschmerzen kläre ich beim Hausbesuch per Otoskopie direkt vor Ort — Gehörgang und Trommelfell im Blick, Ohrspülung bei Ohrenschmalz und, wenn nötig, das Privatrezept für antibiotische Ohrentropfen sofort in der Hand.

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Bei Ohrenschmerzen komme ich für Otoskopie und Behandlung direkt in die Unterkunft — Details zum Leistungsumfang und zu den Pauschalpreisen (250–450 €). Ausgangspunkt ist Port d'Andratx, das Zentrum des Servicegebiets.

⚠ Medizinischer Hinweis Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden, Bewusstseinsstörungen, Atemnot, Brustschmerz oder Verdacht auf einen Notfall wählen Sie umgehend den europäischen Notruf 112. Inhalte zuletzt geprüft am 06.08.2026 durch Henrik Venus, Arzt (Approbation Deutschland: Bezirksregierung Arnsberg, 2021).

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen <strong>keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung</strong>. Alle Inhalte wurden von einem approbierten Arzt (Henrik Venus, Approbation Deutschland 2021) zusammengestellt. <strong>Bei akuter Lebensgefahr wählen Sie sofort die 112.</strong>

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